Armenien-Georgien-Iran

Hey! Schön, dass ihr hier her gefunden habt!

Als Erstes möchte ich mich nochmals in aller Form bei euch bedanken. Dass ihr bereit seid, mich und meine Arbeit mit einer Spende zu unterstützen, um meine Berichte lesen zu können, ehrt mich. Es ist eine tolle Resonanz auf meine Arbeit und zeigt mir, dass sie doch sehr wertgeschätzt wird.

Dankeschön!

Als ich realisiert habe, dass der von mir festgelegte Betrag wohl tatsächlich erreicht wird stand ich auf einmal vor der Herausforderung einen Artikel zu schreiben, die Bilder alle durchzugehen und zu entscheiden wo ich anfange zu erzählen und wo ich wieder aufhöre.

Aus der Türkei habe ich noch recht viel gepostet. Somit habe ich entschieden an die Türkei anzuknüpfen und euch meine Erlebnisse aus Georgien und Armenien zu schildern.

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Für alle die nochmal genauer lesen wollen was in der Türkei so los war, habe ich den Zeitungsartikel über den Abschnitt der Reise in dem frei zugänglichen Blog gepostet.

 

Georgien.

Ich bin zur Zeit alleine unterwegs, Manu ist noch in Erzurum und verbringt ein paar schöne Tage mit Lorena, seiner Freundin, und ich bin auf dem Weg nach Armenien, wo auch ich meine Freundin wieder treffen werde. Als ich in der Ferne die georgische Flagge neben der Türkischen wehen sehe und realisiere, dass ich in Kürze die Grenze zu meinem elften Land überschreite, werde ich direkt ein bisschen hibbelig. Es ist eine Mischung aus Vorfreude, nach 6 Monaten in der Türkei endlich ein neues Land zu bereisen und Trauer darüber die Türkei, die mir in der ganzen Zeit sehr ans Herz gewachsen ist, zu verlassen.

An der Grenze bange ich kurz, ob mit meinem „Türkischen Ausweis“, wie ich mein Aufenthaltsgenehmigungs-Kärtchen liebevoll nenne, alles in Ordnung ist. Letztendlich hat sich der monatelange Bürokratiekram dann aber doch gelohnt und ich darf die Türkei verlassen. Der georgische Zöllner haut mit einem dumpfen Laut seinen Stempel in meinen Pass und ich bin bereit für das nächste Land!

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Ein Gefühl von Heimat, nur woher?!

Sattes, grünes Hügelland führt mich bis in den ersten Ort. Ich halte zwischen den einfach gebauten Steinhäuschen und bin völlig fasziniert, nur weiß ich nicht wovon. Alles ist so ähnlich wie in der Türkei und doch so gravierend anders. Ich kann nur immer noch nicht sagen warum das so ist. Mich überkommt ein fast heimisches Gefühl, welches ich zunächst dem Geruch des Kuh- und Pferdemistes zuordne. Ich wohne in Deutschland genau zwischen eben solchen Ställen.

An der Grenze habe ich meine letzten Lira in georgische Lari gewechselt und bin nun auf der Suche nach einem Laden, in dem ich meine Vorräte auffüllen kann. Als ich meinen Blick durch die engen Gassen schweifen lasse entdecke ich eine Kirche. Sie ist, wie die Häuser, aus Stein gebaut und wirkt sehr alt und schön. Während mir diese Worte durch den Kopf gehen fange ich an mich zu fragen seit wann ich A- Kirchen überhaupt bemerke, und B- sie als schön bezeichne.

Kirchen sind für mich in etwa so interessant wie ein Museum über die Strumpfmode der 40er Jahre.

Dann fällt mir plötzlich etwas auf, und ich weiß warum ich seit dem ersten Moment so fasziniert von diesem Ort war. Ich höre Kirchenglocken und keinen Muezzin der zum Gebet ruft. Es ist nach über einem halben Jahr die erste Kirche, die ich sehe und höre.

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Ein alter, zerbrechlich, aber freundlich wirkender Mann beobachtet mich durch seine wachen und lebendigen Augen während ich ein Foto der Kirche mache. Auf seinen Gehstock gelehnt kommt er zu mir. Er gibt mir zu verstehen, dass er sowas wie der Hausmeister der Kirche ist und bietet mir an, sie für mich aufzuschließen um sie von innen anzuschauen. Warum nicht gleich die volle Überdosis Kirche am ersten Tag, dann habe ich es hinter mir. Die Kirche ist schön, die Architektonik ist faszinierend und dennoch sinkt sie langsam an ihren rechtmäßigen Platz in meinem Bewusstsein zurück. Leise lässt sie sich neben dem Museum für Strumpfmode der 40er Jahre nieder. Meine Kirchenfaszination ist überstanden und schnell bin ich wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich mich darüber ärgere, dass in diesem Dorf nicht wenigstens ein Laden statt dieser Kirche errichtet worden ist. Ich habe Hunger.

Ich fahre weiter. Richtig weit weiter sogar, aber es kommt und kommt keine Möglichkeit einzukaufen. 8 Kilometer vor einer größeren Stadt ist dann endgültig die Luft raus. Ich halte am Straßenrand und kippe beide Vorderradtaschen aus in der Hoffnung, dass sich noch irgendetwas essbares darinnen versteckt. Und tatsächlich. Ein Snickers, dass der Optik nach seine beste Zeit längst hinter sich hatte – und ein Stück trockenes Brot. Es ist das leckerste mit Snickers belegte Brot der Welt!

Ein weit euphorischeres Gefühl, als jenes welches ich bei der Kirche verspürte, habe ich als ich in einem kleinen Laden vor einem Kühlregal biblischen Ausmaßes stehe. Es ist restlos mit verschiedenstem Bier gefüllt. In der Türkei gab es Effes, Punkt. Wahrscheinlich kam der kleine Junge, der in dem Market arbeitet, eigentlich nur zu mir um die Sabberpfütze, die sich langsam unter mir bilden musste, wegzuwischen. Für mich gab es jedoch nichts Normaleres auf der Welt, als ihn zu fragen welche der tausend verschiedenen Biersorten ich denn nun als Erstes probieren sollte. Der Junge war vielleicht 11. Etwas verwirrt antwortet er mir in perfektem Englisch, dass er da wohl besser seinen Vater fragt. So stehen wir dann bestimmt 10 Minuten zu dritt vor dem Kühlregal. Der Vater zählt die Vorzüge der einzelnen Sorten auf und sein Sohn übersetzt es für mich. Überglücklich bin ich, als ich dann auch noch leckeren Käse und ein Stück schweres, dunkles Brot finde. Strahlend wie ein Kind, welches zu Weihnachten all seine Wünsche erfüllt bekommen hat, laufe ich aus dem Laden.

Ich bin froh abends ein Dach zu finden, denn es beginnt wiedereinmal zu stürmen und zu regnen. Dieser Regen lässt nicht mehr nach, bis ich bereits zwei Tage später das Land wieder verlasse. Dennoch bleibt mir Georgien in bester Erinnerung, und ich will unbedingt noch einmal mit mehr Zeit hier her zurück kommen.

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Armenien

In Armenien gibt es zunächst drei interessante Nächte von denen ich euch berichten möchte.

1. Gebetswürfel

Nach einem langen und anstrengenden Radeltag im wechselhaften Wetter, entdecke ich etwas abseits der Straße eine kleine Steinkapelle und nebenan ein Blechdach. Als ich mich dem potenziellen Schlafplatz nähre, sehe ich am Fenster des kleinen Gebetwürfels eine Frau sitzen.

Ich winke ihr und als sie mir die Türe öffnet, schaut sie verwirrt von mir auf mein Fahrrad und zurück. Mit Händen und Füßen mache ich ihr klar das ich gerne meine Hängematte unter dem Blechdach aufhängen würde um dort zu übernachten. Sie willigt ein und schaut mir aufmerksam und etwas skeptisch zu als ich mir mein Quartier einrichte. Als ich mich erschöpft und nass vom Regen in meine Hängematte setzte, winkt sie mich näher, ich solle mit ihr kommen. Wir gehen also in ihre kleine Kapelle. Der Raum ist unglaublich vollgestopft mit Kruzifixen, Abendmahlbildern und allem was das Christenherz begehrt. Sie bietet mir essen, trinken und einen bequemen Platz zum Sitzen an. Ich bin sehr dankbar, denn tatsächlich ist es hier drinnen deutlich wärmer und angenehmer als draußen im Sprühregen unter dem seitlich geöffneten Blechdach. Die Frau setzt sich wieder auf den Stuhl auf dem sie gesessen haben muss, als ich gekommen bin und schaut aus dem Fenster. Ich fange an in meinem Buch zu lesen, sie schaut weiter aus dem Fenster und bewegt sich nicht. Als ich mich genauer umsehe wird mir bewusst das diese Frau wohl jeden Tag in dieser Position am Fenster sitzt um hinaus zu sehen. Sie kümmert sich um die Kapelle, den benachbarten kleinen Gedenkraum, in den gelegentlich jemand eine Kerze bringt, und um das kleine Grundstück auf dem das alles steht. Sie strahlt eine wahnsinnige Zufrieden- und Gelassenheit aus, was mich völlig fasziniert. Ich könnte keine drei Tage in diesem winzigen Raum bleiben. Bald gibt sie mir zu verstehen dass sie zu dem angrenzenden Ort gehen werde, ich doch aber hier drinnen schlafen und auch mein Fahrrad reinstellen soll. Nachdem es draußen mittlerweile ohne Erbarmen schüttet, nehme ich das Angebot gerne an. Sie zeigt mir wo ich den Schlüssel verstecken soll wenn ich gehe, bringt mir nochmals etwas Brot und Gemüse und wird dann von einem Auto abgeholt. Am nächsten Morgen würde sie wiederkommen. Ich verbringe eine denkwürdige Nacht zwischen den tausenden Jesusaugen die im Schein der Opferkerzen, auf mich gerichtet zu sein scheinen.

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2. Donnerwetter, oder Schüsse?

Es ist ein wahnsinnig stürmischer Tag. Zum Glück habe ich den Wind im Rücken und das Fahren ist ein reiner Genuss. Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltet sich im Sturm jedoch etwas komplizierter, vor allem wenn man die Hängematte, dem Zelt in nahezu jedem Fall vorzieht. Als ich eine Brücke überquere mache ich kurz Halt um darunter zu schauen. Viel Müll, aber Windschatten und um die Brückenpfeiler kann ich meine Hängematte aufhängen. Perfekt! Ich hiefe und schiebe mein Fahrrad über die riesigen Müllberge und leider auch einige Schlachtabfälle. Egal, als ich meinen Schlafplatz erreiche riecht man nichts mehr von alledem.

Ich spanne die Hängematte und mache mich ans kochen. Zur Abwechslung gibt es mal Nudeln mit Soße. Aber wie jeden Abend könnte es nichts Leckereres als genau das geben was es gibt. Das ist das Tolle wenn man sich den ganzen Tag anstrengt, man kann jeden Abend dasselbe essen, und es stört einen kein bisschen.

Während ich koche und esse, braut sich um mich herum ein recht stattliches Gewitter zusammen und nun bin ich doppelt froh um die Brücke die mir ein großflächiges Dach bietet.

Satt und glücklich verkrieche ich mich mit einem Bier und meinem Buch in die Hängematte. Ich lese gerade die ersten Zeilen als ein ohrenbetäubender Knall die Luft um mich zerfetzt. Ich erschrecke bis ins Mark, bin mir sicher das ein Blitz nur wenige Meter von mir eingeschlagen haben muss. Als ich überlege ob ich mein Bier auf den Schreck wohl besser erst mal abstellen oder doch eher auf Ex leer trinken soll, vibriert die Luft erneut und wird von einem ebenso lauten Knall durchbrochen. Ich stelle das Bier ab und halte mir aus Angst vor einem weiteren Knall erst mal die Hände auf die fiependen Ohren. Und tatsächlich, kurz darauf knallt es wieder und dann wieder. Ich habe keine Ahnung was hier um mich geschieht. Es klingt als würde ein Panzer Schüsse abgeben. Gut, das habe ich noch nie gehört, aber so stelle ich es mir vor.

Mir fällt ein das ich nahe an einem Flughafen bin und bekomme tatsächlich kurz Angst ob es wohl Schüsse aus mir unerklärlichen Gründen sind. Ich raffe mich aus meiner Hängematte und schaue mich um. Es regnet nicht, doch das Unwetter ist in vollem Gange. Langsam kann ich das laute knallen orten. Einige Meter neben mir steht ein kleines Metallhäuschen mit einem Trichterförmigen Kamin aus dem im 10 Sekundentakt durch Gasexplosionen hervorgerufene Druckwellen in den Himmel geschossen werden um das Unwetter von dem Flughafen abzuleiten.

Das ganze Spektakel dauert etwa 45 Minuten, dann wird es endlich ruhig. Ich schlafe und hoffe, dass ich nachts nicht nochmals so geweckt werde.

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3. Unangenehme Situation!

Heute scheint die Sonne. Aus Versehen bin ich schon viel dichter an die armenische Hauptstadt Yerevan herangefahren als ich wollte. Ich will morgen in der Stadt ankommen und ein geeignetes Hostel suchen, da Lisa in der darauffolgenden Nacht mit dem Flugzeug ankommt. Jetzt sind es nur noch 10 km zur Stadt und das Gebiet wird immer besiedelter. Ich beschließe nach einem Platz zum Zelten zu fragen. An einem Autoschrottplatz werde ich von zwei mürrischen Typen weggeschickt. Als ich an einem freistehenden Haus fragen will, werde ich von einem riesigen, widerlichen und wirklich angsteinflößenden Wachhund vertrieben vor dessen Hütte 3 ganze Ziegenskelette liegen. Also suche ich auf eigene Faust. Ein Stück weiter finde ich eine kleine Nebenstraße die mich weit von der lauten Hauptstraße wegführt. Ein ganzes Stück weiter finde ich eine abgelegene Obstplantage mit hohem Gras mitten im Nirgendwo. Ein recht schönes Plätzchen. Nicht ganz so sichtgeschützt wie es mir in der merkwürdigen Gegend lieb gewesen wäre, aber was soll man machen. Ich hänge meine Hängematte auf, muss jedoch kurze Zeit später auf das Zelt ausweichen, weil es wieder sehr stark zu winden anfängt. Ich schlafe die Nacht wunderbar durch bis ich in der Morgendämmerung von einer Männerstimme geweckt werde. Völlig verschlafen mache ich das Zelt auf und finde einen Mann auf einem Esel und 4 Wachhunde um ihn herum vor mir. Freundlich wünsche ich einen guten Morgen. Etwas skeptisch grüßt er zurück. Er spricht kein Englisch, nur Russisch und Armenisch. Er gibt mir zu verstehen, dass er Geld oder mein Handy will, es sei sein Grundstück und wenn ich hier schlafe, habe ich zu bezahlen. Ich sage ich habe weder ein Handy, noch Geld. Der Kerl ist etwa 33 Jahre alt, hat nicht das freundlichste Gesicht und einen Schlagstock, mit dem er seinen Esel lenkt, in der Hand. Ich krieche erst mal aus meinem Zelt, stelle mich vor ihn, gebe ihm die Hand und betone nochmals das ich kein Geld bei mir habe, dass ich deshalb hier und nicht in einem Hotel schlafe. Er lenkt seinen Esel ein paar Schritte zurück und ich beginne meine Sachen einzupacken während er auf seinem Handy rumdrückt. Es nervt mich, das Zelt abbauen zu müssen. Ich wäre froh wenn schon alles auf meinem Bike wäre, denn irgendwie fühlt es sich an, als wäre das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Immer wieder redet er von Geld und meinem Handy. Immer wieder sage ich, dass ich weder das eine noch das andere habe, während ich schnellstmöglich Schlafsack und Isomatte in meinen Taschen verräume. Er winkt mich zu sich um mir etwas auf seinem Handy zu zeigen. Das Bild zeigt zwei Männer beim Sex. Er zeigt auf meine Hose und macht eine eindeutige Geste zu seinem Mund. Mir wird schlecht. Ich mache eine abwehrende Geste, sage nein und mache mich wieder daran meine Sachen einzupacken. Im Hinterkopf beginne ich meine Lage nüchtern zu betrachten. Ein Mann, 4 große Wachhunde, ein Esel, mitten in der Pampa, weit weg von allen anderen Menschen. Er kommt näher, immer noch den Stock in der einen, das Handy in der anderen. Er zeigt mir mehr Fotos auf seinem Handy und gestikuliert immer wieder mit verdrehten Augen vor seinem Mund. Deutlich sage ich ihm das ich kein Interesse habe, und er mich in Ruhe lassen soll. Ich bin gerade dabei mein Zelt abzubauen als er wieder näher kommt. Er stellt sich vor mich, ich mache mich groß. Ich habe keine Angst vor ihm, ich bin stärker, ich habe inzwischen das Pfefferspray in der Tasche und auch ich habe einen Schlagstock (eigentlich zur Abwehr von Hunden) an meinem Fahrrad. Mein Respekt gilt mehr den 4 großen Wachhunden, die gegebenenfalls ihr Herrchen verteidigen, wenn ich ihm eins überziehe. Und für alle zusammen reicht mein Pfefferspray nicht. Wir stehen uns gegenüber und der Kerl greift mir zwischen die Beine und hält meine Hose fest. Ich schucke ihn mit solcher Wucht von mir weg, dass ich Angst habe dass meine Hose zerreist. Doch er lässt los. Ich schreie ihn an, dass er sich verpissen soll. Ich muss mich beherrschen nicht auszuholen, damit ich nicht die Hunde am Arsch hängen habe. Aber er sieht ein, dass er hier keine Chance hat. Er geht erst zurück zu seinem Esel, bleibt dort noch kurz während ich weiter einpacke und verschwindet dann Richtung der Straße

Mir bleibt ein paar Tage ein etwas bitterer Geschmack im Mund. Aber als ich weiterfahre habe ich wenige Minuten später wieder die nächsten wunderschönen Erlebnisse mit Einheimischen. Idioten gibt es überall und man darf nie die Tat eines Einzelnen auf Andere beziehen.

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Yerevan und Umgebung

Ich bin froh als ich die Stadt erreiche und ein Hostel gefunden habe. Als Lisa ankommt bleiben wir erst einmal ein paar Tage in der Stadt und erkunden die Metropole Armeniens. Yerevan ist eine reiche Stadt. Der Kontrast zu den ländlichen Regionen könnte größer nicht sein. Läuft man durch die Fußgängerzone mit all ihren westlichen Läden, fühlt man sich wie in einer gewöhnlichen europäischen Stadt. So lassen wir uns einige Tage von Eisdiele über Sehenswürdigkeiten zu Café´s treiben, bis wir beschließen mit dem Rucksack zu dem wunderschönen Seewan See zu reisen. Mit verschiedenen Bussen legen wir die gut 100km zurück. Das Ticket kostet uns insgesamt 2,50 € für zwei Personen. An dem See angekommen kaufen wir uns in einem Supermarkt etwas Brot und Käse, sowie etwas zum Kochen und eine Flasche Wein für den Abend. Wir laufen an dem See entlang und suchen einen schönen Platz zum Essen, als plötzlich nahe einem kleinen eingezäunten Haus 6 große Hunde kleffend auf uns zugerannt kommen. Als ich Lisa, die seit wir in Kappadokien von einer Horde wilder Hunde angegriffen wurden, etwas vorsichtiger geworden ist, beruhige dass die Hunde hinter einem Zaun sind, drücken sie sich durch ein Loch in diesem. Instinktiv mache ich mich groß, in der einen Hand die Gitarre, in der anderen die Einkäufe, und gehe laut schreiend einige Schritte auf die Hunde zu. Bisher hat das in allen Fällen gereicht um die Hunde in die Flucht zu schlagen. Diesmal reicht es nicht. Es sind keine wilden Straßenköter, es sind scharfe Wachhunde und diese haben uns bereits umzingelt und gehen mit aufgestelltem Fell und gefletschten Zähnen auf uns los. Ich versuche Lisa zu verteidigen, auch sie macht sich groß und schreit. Immer wieder hole ich mit der Gitarre aus, kurz bevor es zum Schlag kommt, zieht der Hund einen Schritt zurück um sich mit den anderen für den nächsten Angriff neu zu formatieren. Mein Pfefferspray ist in der Innenseite des Deckelfaches von meinem Rucksack. Ich habe keine Zeit es auszupacken. Mittlerweile stehen in etwa 20 Meter Entfernung die Besitzer des kleinen Häuschens und der dazugehörigen Hunde. Angelockt durch das Geschrei und das Gekleffe ihrer Scheißköter stehen sie da und schauen teilnahmslos zu. Nun schreie ich nicht mehr wegen den Hunden, ich schreie diese Arschlöcher an ihre Köter zurückzupfeifen. Diese zeigen keine Reaktion. Wäre die Weinflasche, die ich mittlerweile als Schlagstock in meiner Hand halte, keine unentbehrliche Waffe zur Hundeverteidigung hätte ich sie ihnen am liebsten an den Kopf geworfen. Die ganze Situation dauert eine gefühlte Ewigkeit. Wir haben einen Teil unseres Einkaufes verloren als die Tüte zerissen ist, doch wir schaffen es uns zurückzuziehen.

 

Ein schöner Abend

Wütend auf die Hundebesitzer und immer noch voller Adrenalin laufen wir über einen anderen Weg zu unserem Ziel „Sewanawank“.

Als wir die kleine Kapelle, welche auf einer Halbinsel in dem See liegt, erreichen, treffen wir Gussi, Miro, Laura, Leonie und Moritz. Die Gruppe Freiburger Backpacker hat sich ebenfalls zufällig hier getroffen und bereits ihre Zelte aufgebaut. Auch wir beschließen uns inmitten der atemberaubenden Kulisse für die Nacht niederzulassen. Anschließend setzen wir uns in die nette Runde und erleben einen wunderschönen inspirierenden Abend. Wir lernen viel über eine andere Art des Reisens. Trampend mit dem Rucksack um die Welt. Die Idee gefällt mir, man ist flexibel, man hat nicht das sperrige Fahrrad das man überall hinbewegen muss. Man kann seine Fortbewegungsmethode permanent ändern. So haben Moritz und Leonie beispielsweise im Iran für einen Monat ein Motorrad gekauft. In Armenien sind sie größtenteils zu Fuß unterwegs. In der Mongolei wollen sie sich Pferde kaufen. Da sie sich oft mit Autos Bussen und Zügen Fortbewegen, können sie die Länder, auch in kurzer Zeit, großflächig bereisen und kennenlernen. Sie haben mehr Zeit an einzelnen Orten zu bleiben, da sie wenn das Visum eng wird, immer schnell zur Grenze kommen.

Bei uns ist das etwas anders. Wir fahren meist den, zumindest einigermaßen direkten Weg, der im besten Fall nicht über die höchsten Pässe geht. Ich beginne ein bisschen neidisch zu werden auf die großflächigen Zickzacklinien, welche sie auf den Landkarten hinterlassen, während unsere sich meist auf eine Linie von A nach B beschränkt.

Dennoch behaupte ich, ist die Freiheit und die Intensität einer Radreise unangetastet.

Doch in meinem Kopf ist ein Keim gepflanzt, der seither wächst und wächst.

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Das erste Mal Trampen

Armenien birgt die meisten steilen und hohen Pässe auf die kürzeste Distanz die wir bisher haben. Soll heißen, der bisher anstrengendste Teil unserer Reise liegt vor uns. Was wäre der „worst case“? Krank werden. Und genau das mache ich. Ich verbringe viel Zeit auf dem Klo, fühle mich schwach und bin konditionell schnell nicht mehr in meiner Höchstform. Dennoch fahren wir anfangs recht lange Distanzen und schaffen es bis in die tiefen Berge. Kurzzeitig geht es mir etwas besser, anschließend dafür wieder richtig schlecht. Als wir die bis zu 2533m hohen Pässe erreichen, muss ich passen. Ich muss mich schonen. Bei der geringsten Anstrengung fangen meine Lungen an zu brennen und ich habe Angst mir bei weiterer Anstrengung eine Lungenentzündung einzufangen. Dennoch müssen wir weiter voran kommen, da unser Visa – Einreisefenster für den Iran bald abläuft. Also beschließen wir zu trampen und meistern die steilen Bergstraßen zum Teil auf LKW´s in Lieferwägen und einem Militärbus.

So erreichen wir die iranische Grenzregion ein paar Tage früher als geplant. In einem stillgelegten Eisenbahntunnel finden wir eine super Möglichkeit unsere Hängematten aufzuhängen. Als es mir am nächsten Tag noch schlechter geht, beschließen wir hier zwei Pausentage einzulegen. Drei volle Tage und Nächte liege ich etwa 20 Meter von der iranischen Grenze in einem Tunnel in meiner Hängematte und fiebere im wahrsten Sinne des Wortes dem nächsten Land entgegen.

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Iran

Endlich ist es so weit. Der Iran. Ich glaube, seit die Idee zu dieser Reise entstand, habe ich über kein anderes Land so viel gehört wie über den Iran. Von vielen, die noch nicht dort waren, höre ich Worte wie: „Iran?! Das Land zwischen Irak, Pakistan und Afghanistan?! Ist das nicht total gefährlich dort?“ oder „Ich dachte du willst einen Bogen um die kritischen Länder machen?!“ Von allen die schon dort waren höre ich Worte wie: „Der Iran war das Highlight meiner Reise!“ und „Eins der schönsten und gastfreundlichsten Länder, die ich je bereist habe!“

Ich freue mich riesig nun endlich hier zu sein, um mir mein eigenes Bild zu machen.

Gemeinsam mit Manu rolle ich über die Armenisch-Iranische Grenze.

Wie viel kostet das?

Das erste womit wir konfrontiert werden ist, dass im Iran keine ausländische Bank oder Kreditkarten funktionieren. Wir haben uns bei den letzten Besuchen der Freundinnen also genug Euro Scheine mitbringen lassen um nun wechseln zu können. Für einen Euro bekommen wir etwa 38.000 Rial. So weit so gut. Nun ist den Iranern irgendwann aufgefallen das sie irgendwie unnötig viele Nullen an ihren Beträgen haben. Also haben sie kurzerhand beschlossen eine Null wegzustreichen und von einer anderen Währung zu sprechen, dem Toman. In den meisten Läden sind die Preise in Toman angegeben, jedoch nicht immer. Ob Toman oder Rial steht nie hinter dem Preis. Wenn man jemand nach einem Preis fragt wird man die Antwort vermutlich ebenfalls in Toman erhalten und muss dann, wenn man auf die vielen Bunten Rial Scheine schaut zweifach umrechnen. Einmal von Toman in Rial und das ganze dann in Euro. Dann kann man anfangen zu überlegen ob der Preis realistisch ist, oder ob man gerade über den Tisch gezogen wird.

Hinzu kommt noch die persische Schrift. Die Zahlen sehen unseren, bis auf die 1 und die 9 nicht mal mehr ansatzweise ähnlich. Einkaufen wird in den ersten Tagen also zur Herausforderung.

Alle Erwartungen übertroffen

Bereits auf den ersten Kilometern werden all unsere Erwartungen gegenüber der Warmherzigkeit und Gastfreundschaft, die aus den Erzählungen anderer Reisender hervorgeht, übertroffen. Wir fahren auf einer normalen Straße, als immer wieder Autos anhalten oder uns gar beim Vorbeifahren durch das geöffnete Fenster mit tütenweise Äpfeln, Pfirsichen, Bananen, Maulbeeren, Pistazien und anderen Leckereien beschenken. Einfach so. Wir fahren hier nur Fahrrad.

Die erste Nacht schlafen wir an einem schönen Fluss. Das schnell fließende Wasser hat einen satten rot-braun Farbton, dennoch fühle ich mich nachdem ich mich darin gewaschen habe, endlich mal wieder richtig sauber. Die letzte Dusche gab es in Yerevan, was nun doch schon eine ganze Weile zurück liegt.

Für die zweite Nacht finden wir einen wunderschönen See, etwas außerhalb von der Stadt Jolfa. Unterwegs haben wir Helmut und Sophia, ein deutsches Radel-Pärchen aufgegabelt. Die beiden sind ähnlich lange unterwegs wie wir und wir haben beschlossen ein paar Tage gemeinsam in die Pedale zu treten. Es ist sehr windig, und wir sind froh als wir gegessen haben und uns in die Zelte zurückziehen können.

In diesem Moment erscheint an der Kante des steilen Abhangs, den wir herunter gefahren sind um das See Ufer zu erreichen, ein Autoscheinwerfer und zwei Männer kommen auf uns zu.

Die Verständigung ist etwas schwierig, aber als dann auch noch ein Uniformierter dazukommt verstehen wir, dass wir hier nicht schlafen dürfen. Angeblich kann der See bei Regenfällen schnell ansteigen und somit sei es zu gefährlich. Etwas genervt bauen wir die Zelte wieder ab und werden anschließend im Scheinwerferlicht des Autos zurück zur Stadt eskortiert. Wir sollen in dem Stadtpark schlafen – das sei im Iran so üblich.

Der Park liegt zwischen zwei Straßen, welche leider recht laut sind. Dennoch wartet hier schon die nächste positive Überraschung auf uns.

Ein Auto hält und der Fahrer ruft uns zu, ob alles in Ordnung sei und ob er uns helfen könne. Wir geben zurück das wir alles haben was wir brauchen, dennoch kommt er kurz darauf mit zwei großen Tüten verschiedener Knabbereien und Trinken zurück, schenkt sie uns und verschwindet wieder. Am kommenden morgen steht er schon wieder parat und bringt uns Brot, Käse und Gemüse zum Frühstücken. Wir sind alle völlig überrumpelt und wissen gar nicht so recht wie wir auf all diese bedingungslosen Geschenke reagieren sollen.

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Schon wieder krank, schon wieder Trampen

Es ist sau nervig. Über Nacht wird mir schlecht, ich bekomme Fieber und bin am nächsten Tag komplett ausgenockt. Wir beschließen eine weitere Nacht in Jolfa zu bleiben und anschließend Trampen wir bis nach Tabriz, da es hier einen kostenlosen Campingplatz mit Duschen und Toiletten gibt. Dort liege ich weitere 5 Tage in meiner Hängematte um die Krankheit die ich seit Armenien mit mir rumschleife endgültig auszukurieren.

Als ich mich wieder etwas kräftiger fühle machen wir uns daran die Stadt zu erkunden und schlendern unter anderem über den größten überdachten Bazar der Welt.

Als wir im vergangenen Jahr durch Griechenland geradelt sind, haben wir Ela und Mohammed kennen gelernt. Das iranische Pärchen war zu der Zeit mit ihrem Geländewagen auf Europatour. Sie haben uns eingeladen, sie in Teheran besuchen zu kommen und so haben wir vor kurzem wieder Kontakt zu ihnen aufgenommen. Sie freuen sich riesig von uns zu hören uns laden uns spontan ein, sie auf einer Offroad Tour mit ihrem Auto durch den Norden Irans zu begleiten. Die Tour startet jedoch bereits in wenigen Tagen und wir haben noch einige hundert Kilometer vor uns. Da ich nach wie vor gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe bin und die Straßen Richtung Teheran alle mindestens zweispurige Schnellstraßen sind, die nicht wirklich Spaß machen zu fahren, beschließen wir auch diese Strecke auf Pick Up´s und LKW´s zurückzulegen. Wir wollen uns die Gelegenheit, den Norden mit dem Geländewagen zu erkunden, nicht entgehen lassen.

Dank der netten Leute, die uns beim Trampen mitnehmen, müssen wir dennoch nicht darauf verzichten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Strecke zu besuchen. An einem Tag brauchen wir für eine effektive Strecke von etwa 20km gut 7 Stunden, da der Fahrer uns im Zickzack zu all seinen Lieblingsplätzen bringt. So sehen wir alte Ruinen in den Bergen, kleine, uralte Dörfer und die eindrucksvolle Moschee von Soltaniyeh.

 

Ramadan und andere unwichtige Regeln

Der Iran ist voll mit Regeln und ebenso voll mit Menschen, die diese Regeln zu umgehen wissen.

So befinden wir uns aktuell zum Beispiel im Fastenmonat Ramadan, welcher in der Islamischen Republik gesetzlich eingehalten werden muss. Es gibt jedoch Ausnahmen, welche einen von dieser Regel freistellen. Das Essen und Trinken ist beispielsweise Kranken, Schwangeren und Reisenden gestattet. So kommt es, dass man während dieses Monats besonders viele Familien in den Stadtparks trifft, die fröhlich ein gigantisch ausfallendes Picknick veranstalten. Meist kommen sie mit dem Auto aus der Nachbar Stadt gefahren und dürfen sich somit als Reisende bezeichnen.

Während unserer Reise durch den Iran lernen wir nicht eine einzige Person persönlich kennen die den Fastenmonat tatsächlich durchzieht. Lediglich zweimal werden wir, als wir auf der Straße ein paar Bissen Essen zu uns nehmen, von vorbeilaufenden Passanten darauf angesprochen dass wir das nicht dürfen. Jedoch fallen wir ja in die Kategorie „Reisende“ und Touristen sind wir auch noch, also wird das alles nicht so eng gesehen.

Auch bemerken wir sehr schnell, dass das generelle Alkoholverbot an allen Ecken umgangen wird.

Von Brauereien die alkoholfreies Bier für den Iran produzieren, kann man zum Beispiel unter der Ladentheke Flaschen mit einem 0,0% Aufdruck, jedoch einem 15 prozentigen Inhalt kaufen.

Ebenso wurde uns in einem kleinen Restaurant „Wein“ angeboten. Als wir zustimmen bringt man uns eine Dose Sprite. Wir wundern uns, da wir doch eigentlich etwas anderes bestellt hatten. Man bedeutet uns die Dose zu öffnen, und zum Vorschein kommt ein rot farbiger starker Likör.

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Durch eine Alkoholkontrolle und den grünen Norden

Wir freuen uns sehr als wir bei Ela und Mohammed ankommen. Die beiden empfangen uns mit größter Gastfreundschaft, geben uns einen ersten Eindruck von der 12-Millionen Metropole und bieten uns einen Schlafplatz in ihrer Wohnung an. Bereits am nächsten Morgen geht es früh los. Wir packen unsere drei Sachen in den großen Toyota Geländewagen und fahren zunächst in Richtung Westen, bevor wir in nördlicher Richtung in die Berge abbiegen. Wir fahren im Konvoi mit mehreren Autos die ebenfalls an der Off-Road Tour teilnehmen, als wir von der Polizei herausgewunken werden. Sie suchen nach Alkohol und wir haben schon aufgeschnappt das jedes einzelne Auto, das an der Tour teilnimmt, etwas zu trinken dabei hat. Wir haben Glück, unser „0,0% Bier“ wird nicht entdeckt. Aus dem Auto vor uns sehen wir, wie der Beamte zwei Flaschen Whisky an seinen Kollegen reicht. Der Fahrer muss erst mal da bleiben, vermutlich für die nächsten zwei Tage, bis das Revier wieder öffnet und über seinen Fall entscheiden kann. Gott sei Dank hat er ein Zelt auf seinem Autodach und genügend Vorräte dabei.

Die Frau des Fahrers springt bei uns ins Auto und es geht weiter.

Wir verlassen die geteerten Straßen und fahren über holperige Wege durch tiefe Wälder immer weiter in die traumhafte Berglandschaft.

In einem wunderschönen Buchenwald erreichen wir unser Camp für diese Nacht. Rund 15 Autos haben sich mittlerweile hier versammelt. Wir machen Feuer, grillen und sitzen gemütlich zusammen. Nach einer zweiten Runde leckeren Essens wird die Anlage im Auto aufgedreht und der Waldboden verwandelt sich in eine Tanzfläche.

Am nächsten Tag besuchen wir weitere atemberaubende Aussichtspunkte, einfache kleine Bergdörfer und Straßen in denen unser Geländewagen sich richtig zuhause fühlt.

Der Visarun wird ein Spaziergang



Mittlerweile ist Lisa angekommen und gemeinsam kümmern wir uns zuerst um die Visa, die ich für die nächsten Länder benötige. Nachdem in den letzten Wochen insgesamt 14 Radfahrer, mit denen wir in einer WhatsApp Gruppe in Kontakt stehen, nach wochenlangem hin und her bei den Turkmenischen Behörden abgewiesen wurden und kein Visum bekommen haben, haben wir beschlossen uns diesen Stress zu ersparen. Wir haben uns für einen Flug von Teheran nach Dushanbe in Tadschikistan entschieden. Somit müssen wir lediglich das Visa für China auf der örtlichen Botschaft beantragen und unser Iran Visa verlängern. Das Tadschikische Visum können wir online beantragen.
Der Visarun fällt dadurch überraschend überschaubar aus, auch wenn wir natürlich traurig sind, dass wir nicht die gesamte Strecke auf dem Landweg zurücklegen werden.
Teheran ist eine unglaublich laute, staubige und von Smog belastete Stadt. Es gibt unserer Ansicht nach nicht viel zu sehen und wir sind froh, dass der bürokratische Aufwand sich so in Grenzen hält.
Richtig glücklich sind wir als wir unser Chinesisches Visum in den Händen halten. Wir wurden mehrfach gewarnt das es äußerst aufwendig und kostspielig ist auch nur ein Visa für einen Kurzzeitaufenthalt zu bekommen. In unserem Fall war es erstaunlich einfach. Wir waren zum Beantragen auf der Botschaft, haben einen Bogen Papier ausgefüllt, 40 USD bezahlt und 3 Tage später konnten wir unser Visa abholen. Wir haben 3 Monate Zeit in das Land einzureisen und dürfen dann 3 Monate dort bleiben.

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Ein blödes Missverständnis

Heute Morgen sind Ela und Mohammed auf einmal ganz komisch, ja fast abweisend zu uns. Wir haben keine Ahnung was vorgefallen ist und gehen davon aus das die beiden einen Streit hatten und deshalb schlecht gelaunt sind. Da wir schon sehr lange in ihrer Wohnung wohnen und sie kaum Zeit für sich haben, beschließen wir das Haus eine Weile zu verlassen, damit die beiden in Ruhe reden können. Wir sind bereits angezogen als Ela Lisa zu sich winkt und sie bittet kurz unter vier Augen mit ihr zu reden.

Wir zerbrechen uns den Kopf was nur los sein kann. Die Wohnung hat nur ein Schlafzimmer und da wir uns das Wohnzimmer zu dritt teilen, haben Lisa und ich am letzten Abend spontan entschieden auf dem Balkon zu schlafen, damit auch wir mal etwas Zeit für uns haben. Nun Rätzeln wir ob es wohl unklug war, als unverheiratetes Pärchen im Iran auf einem Balkon zu nächtigen, auch wenn uns eigentlich niemand hat sehen können.

Ela hat Lisa gebeten das Erzählte für sich zu behalten. Es ist jedoch so skuriel das sie es mir nach einer Weile doch erzählt.

Ela hat am Abend zuvor gesehen wie Manu ihre Nummer unter „Ela Handy“ eingespeichert hat. Blöder Weise hat Ela das komplett missverstanden und Lisa gefragt warum Manu ihrem Namen ein Adjektiv hinzugefügt hat. Das Wort „Handy“ hat sie als „Handycap“ interpretiert und nicht als Mobil Telefon. Sie dachte also das Manu sie als „Die behinderte Ela“ eingespeichert hat. Und das obwohl sie uns doch schon so lange beherbergen und wir so viel gemeinsam Unternehmen. Es kostet Lisa einige Überzeugungsarbeit bis Ela restlos verstanden hat wie es zu diesem Missverständniss kam. Manu und ich sind unendlich froh dass Lisa dabei war, denn uns hätte sie aus Höflichkeit vermutlich nie darauf angesprochen.

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Ein weiterer Off Road Trip zum größten Salzsee der Welt.

Ela und Mohammed sind bemüht uns so viel wie irgendwie möglich von ihrem Land zu zeigen. So fahren wir gemeinsam mit Lisa und Manuel ein weiteres mal in die Berge. Wir wollen das Kaspische Meer, welches eigentlich als See definiert ist, besuchen. Das Gebirge, dass sich zwischen Teheran und dem Kaspischen Meer auftürmt, besticht mit seiner landschaftlichen Vielfalt. Aus dichtem Urwald geht es in karges Steingebirge. Wir sind froh im Auto zu sitzen, mit dem Fahrrad hätten wir dieses unwegsame Gelände sicherlich nicht kennengelernt. Das Meer erinnert etwas an das Mittelmeer, die Küste ist jedoch nicht sonderlich interessant.

Zurück in Teheran beschließen Manu, Lisa und ich, dem Tochal Mountain noch einen Besuch abzustatten. Der knapp 4000m hohe Berg türmt sich direkt hinter der Stadt auf und wir erhoffen uns einen schönen Ausblick über die 12 Millionen Menschen Stadt.

Gemütlich fahren wir mit einer Seilbahn bis auf 3800m und laufen die restlichen 200hm bis auf den Gipfel. Es ist das erste mal das wir etwas Höhenluft schnuppern. In Kürze müssen wir in dieser Höhe Fahrrad fahren, wenn wir den Pamir Highway bestreiten wollen. Die dünne Luft bringt uns ganz schön aus der Puste und wir sind jetzt schon gespannt wie es uns in Tadschikistan ergehen wird.

Auf dem Gipfel graben wir uns eine Ebene Fläche in das Schuttfeld und bauen unser Zelt auf. Das Lichtermeer, das sich mit Einbruch der Dunkelheit unter uns auftut entschädigt sofort für die niedrigen Temperaturen. Wir genießen einen schönen Abend über der unfassbar großen Stadt, bevor wir am nächsten Tag einen Großteil der Strecke zu Fuß zurück gehen.

 

 

Eine große Überraschung

Wir sind etwas traurig das wir die Wüsten des Südens nicht besucht haben, es hat sich zum einen zeitlich nicht ergeben und zum anderen siedeln sich die Temperaturen tagsüber bei etwa 48C° und Nachts nicht unter 35C° an. Zudem muss man viele Stunden Fahrt einplanen, da die Distanz von Teheran bis in die schönen Wüsten im Süden doch recht beachtlich ist. Wir haben uns damit abgefunden diese Teile des Landes für einen weiteren Besuch in der Zukunft aufzuheben.

Lisa ist bereits zurück geflogen und unsere Fahrräder haben wir für den Flug in einem Karton verpackt.

Manu und ich basteln zum Abschied und als Dank für Ela und Mohammed noch ein Fotoalbum mit all den Bildern, die bei unseren gemeinsamen tollen Erlebnissen entstanden sind.

Ich will mich in der vorletzten Nacht vor unserem Flug um etwa 00:30 Uhr gerade schlafen legen, als Mohammed von der Arbeit nach Hause kommt. Als er in seinem etwas bruchstückhaften Englisch fragt: „Do you want desert?“ sind Manu und ich erst etwas verwirrt, lehnen den Nachtisch dann aber dankend ab.

Mohammed scheint entäuscht. „But you always told us that you want to go there?“ Wann haben wir denn bitte gesagt das wir zu einem Nachtisch gehen wollen?! Dann dämmert uns was er meint. „You mean if we want to go to the desert?! I guess its a bit to late, because our flight goes the day after tomorow early in the morning.“ Ja, das hat er gemeint. Er will unbedingt noch mit uns in die Wüste fahren, weil wir das doch so gerne gesehen hätten.

Er hat bis tief in die Nacht gearbeitet um am kommenden Tag frei machen zu können. Nun steigt auch Ela begeistert in das Gespräch ein. Wir könnten jetzt sofort losfahren, sind dann morgen früh in der Wüste, machen dort ein paar Fotos und sind Abends zurück in Teheran. Völlig überrumpelt schauen Manu und ich uns an. „Warum nicht?! Das klingt nach einer klasse Gelegenheit wenigstens noch einen kleinen Einblick in die Wüsten zu bekommen!“ Eine halbe Stunde später sitzen wir im Auto. Zum Sonnenaufgang befinden wir uns in der unwirklichen Landschaft einer Wüste. Es fühlt sich alles noch an wie ein Traum. Wir sind müde und platt von der Autofahrt, doch wir sind überglücklich hier zu sein. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine echte Sandwüste sehe.

Dann habe ich ein Erlebnis, das mich alle Müdigkeit vergessen lässt. Es ist das intensivste Erlebnis mit Tieren, das ich in meinem bisherigen Leben hatte und ich weiß sofort, dass es die einzig richtige Entscheidung war hier her zu fahren.

In der Ferne sehen wir eine Herde wilder Kamele. Ich bedeute Mohammed, dass er anhalten soll, da ich gerne ein Foto machen würde. Ich steige aus und laufe etwas dichter an die Herde heran um eine bessere Perspektive zu finden. Klick, ich mache ein Bild und laufe weiter auf die Herde zu. Als ich gut achthundert Meter von dem Auto entfernt bin, finde ich mich Mitten zwischen den Tieren wieder. Es ist still. Ich höre keinen Laut, außer dem Schmatzen der Kamele. Alles wirkt unfassbar friedlich, die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages kitzeln mein Gesicht. Zwei der Kamele heben ihren Kopf nur wenige Meter neben mir. Neugierig beobachten sie mich und kommen schließlich einige Schritte auf mich zu. Ich habe keinerlei Erfahrung mit Kamelen und ich spüre wie das Adrenalin in meinen Adern pulsiert. Ich strecke meine Hand aus und eins der Kamele berührt sanft meine Finger mit seiner Nase. Ich habe ein Gefühl, als würde die Zeit mit mir die Luft anhalten. Alles scheint still zu stehen. Ich genieße den Moment. Die Ruhe und die kraftvolle Präsenz der etwa 40 Tiere um mich herum. Schließlich mache ich noch ein Foto, gehe einige Schritte zwischen den Tieren umher, ehe ich gefühlt zu dem Auto zurück schwebe. Es war atemberaubend und ich kann noch gar nicht fassen was ich gerade erlebt habe, als ich mich wieder auf den Rücksitz fallen lasse.

Gemeinsam mit Manu erkunde ich noch einige Sanddünen zu Fuß. Wie Kinder spielen wir in dem überdimensionalen Sandkasten bevor wir die Rückfahrt antreten.

Zurück in Teheran fallen wir ins Bett und träumen von all dem Erlebten und dem bevorstehenden Flug auf das „Dach der Welt“ – der Pamir Highway!

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